Joachim HorstGriechisches Olivenöl

Warenkunde

Qualitätsstufen bei Olivenöl

Lampantöl, raffiniert, nativ, nativ extra, High Polyphenol – die Güteklassen und was hinter den Bezeichnungen steckt.

Warum es Güteklassen gibt

Olivenöl ist EU-weit in Handelsklassen eingeteilt. Die Einstufung erfolgt über chemische Kennwerte (vor allem den freien Säuregehalt und die Peroxidzahl) und über eine sensorische Prüfung durch ein Panel. Die Unterschiede zwischen den Klassen sind erheblich – im Geschmack wie im Preis.

Raffiniertes Olivenöl

Die niedrigste Stufe im Handel. Raffinierte Öle werden unter Hitze (bis zu 240 °C) und mit Hilfe von Lösungsmitteln gewonnen, häufig aus den Rückständen des Mahlvorgangs. Beim Raffinieren verliert das Öl seine typische Geschmacksnote, ebenso den größten Teil der Polyphenole. Verwendet wird das Verfahren, um große Mengen preiswert herzustellen.

Produkte, die schlicht als „Olivenöl“ ausgezeichnet sind, bestehen in der Regel aus raffiniertem Öl mit einem Anteil nativen Öls zur Geschmacksgebung.

Lampantöl

Lampantöl entsteht aus verdorbenen, oft vom Boden aufgesammelten oder bereits fermentierenden Oliven. Es ist nicht verkehrsfähig für den direkten Verzehr, muss raffiniert werden und darf erst danach – verschnitten mit nativem Öl – in den Handel gelangen.

Natives Olivenöl

„Nativ“ heißt naturbelassen. Ein Öl ist nativ, wenn es ausschließlich mit mechanischen Verfahren direkt aus Oliven gewonnen wird und nicht mit chemischen Lösungsmitteln in Kontakt kommt. Der freie Säuregehalt darf bis 2,0 % betragen; leichte sensorische Fehler sind zulässig.

Natives Olivenöl extra

Die höchste gesetzliche Güteklasse. Voraussetzungen:

  • ausschließlich mechanische Gewinnung,
  • freier Säuregehalt maximal 0,8 %,
  • keine sensorischen Fehler in der Panelprüfung,
  • kalte Extraktion – die Temperatur darf beim Mahlen und Malaxieren 27 °C nicht überschreiten.

Nativ Extra High Polyphenol

Keine eigene gesetzliche Klasse, sondern eine Qualitätsauslobung innerhalb von „nativ extra“: Öle aus sehr früher, grüner Ernte mit laboranalytisch nachgewiesenem, besonders hohem Polyphenolgehalt. Erst ab mindestens 5 mg Hydroxytyrosol und Derivaten je 20 g Öl darf die zugelassene EU-Angabe zum Schutz der Blutfette vor oxidativem Stress verwendet werden.

Solche Öle schmecken deutlich bitterer und schärfer – das ist gewollt und der direkte sensorische Ausdruck des Gehalts.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

  • Ernte- oder Abfülljahr auf der Flasche (Olivenöl ist ein Frischeprodukt).
  • Herkunft möglichst konkret: Region, Mühle, Sorte – nicht nur „EU-Mischung“.
  • Dunkles Glas oder Kanister statt Klarglas.
  • Bitter und pfeffrig ist ein gutes Zeichen, nicht ein schlechtes.